Auf Spurensuche in Ulm

Zuletzt aktualisiert am 21. XI. 2008
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Verwittert und zugewuchert aber grösstenteils unbeschädigt...

 
 
...so hat der Infanterie-Raum 31 die letzten Jahrzehnte überdauert.
 
 
Die Zugänge sind vermauert, daher lässt sich momentan nicht viel über den Zustand im Inneren sagen.
 
 

Der Infanterie-Raum 31

 
Gut versteckt mitten im Neubaugebiet des Eselsbergs hat bis heute ein geheimnisvolles Bauwerk die Jahre überdauert, es war in Vergessenheit geraten, es galt gar als zerstört. Der von den Alliirten 1947 verfügten Sprengungen der Armierungsbauwerke von 1914 war der Infanterie-Raum entgangen weil er sich in einem Garten befand. Der Bau, der unterhalb des Bodenniveaos errichtet wurde, hatte nach seiner Fertigstellung sowieso nur eine sichtbare Bauwerksseite. Zugewachsen von Sträuchern, über- oder angebaut mit einem Schuppen, zugestellt mit Brennholz, Bohnenstangen und sonstigem Gartengerät war sein ursprünglich militärischer Zweck so nicht mehr erkennbar.

Der Infanterieraum 31 wurde im Zuge der Armierung der Festung Ulm nach dem 2. August 1914 erbaut. Er hätte als Untertreteraum (Schutzraum) für die Besatzungen der Gräben 31a, 31b, 31c, 31d und 31e dienen sollen. Gebaut wurde so ein standartisierter Untertreteraum in dem auf einem Fundament viertelkreisförmige Wellblechsegmente zusammen gestellt wurden und mit einer frontseitigen Stirnseite versehen. Der Verbindungskorridor der insgesamt fünf Aufenthaltsräume und die Fassade mit den drei Zugängen wurde aus Ziegeln gemauert und der restliche Baukörper aus nicht eisenbewehrtem Beton erstellt (sog. verlorene Schalung), der Betonkörper wurde dann noch mit gut einem Meter Erdreich überbaut. Die Aufenthaltsräume besaßen einen Holzdielenboden und an den Seiten je eine Sitzbank für die Soldaten, von der Decke abgehängt befand sich ein Regal als ablage für Tornister und sonstige Ausrüstung.

 
Gut versteckt!
Das wäre ein ideales Versteck für Wald- und Wiesenräuber vergangener Zeiten.
Doch wo sich diese Hohltraverse alten Stiels befindet erfahren Sie hier!
 
 
 
 
 
Der AK Denkmalpflege
"We'mer äbbes g'macht han will, muss mer's au mol selber a'fange!"
Was die RPG ist, wie das mit dem Ulmer Dialogmodell zusammenhängt und was das alles mit Denkmalpflege zu tun hat erfahren Sie hier!
 
Eine Aufwertung des Außen- geländes wäre mit nur wenigen landschaftspflegerischen eingriffen zu bewerkstelligen, die der AK-Denkmalpflege der RPG-Eselsberg ehrenamtlich zu leisten bereit wäre.
 
Die Stahlträger der Decken- konstruktion desVerbindungs- korridores.

© Christian Gollmar

Zum Infanterieraum 31 gehörte eine Grabenanlage aus fünf Teilgräben, welche mit betonierten Beobachtubgsständen und Unterschlupfen für die Mannschaften ausgestattet waren. Verbindungsgräben zwischen den Teilgräben wurden nicht mehr ausgeführt, ebenso wie die Jeweiligen Wachträume, deren Baugruben zwar noch ausgehoben worden waren, deren Fertigstellung aber durch den Kriegsverlauf nicht mehr als notwendig erachtet wurden.
 
Die Originale Holztüren befinden sich noch an Ort und Stelle und tragen noch die entsprechenden Beschriftungen.
 
Noch zwei von insgesamt fünf Kaminen sind vorhanden, die Gewölbe besaßen jeweils einen Ofen zum Heizen.
 
Noch Anfang der 1990er Jahre war der Infanterie-Raum 31 Abenteuerspielplatz für die Kinder der näheren Umgebung.
 
Mit wenig Aufwand könnte eine Eingangstüre eingebaut und somit der Zugang in einen der ganz wenigen noch erhaltenen Armierungsbauwerke der späten Festungszeit ermöglicht werden.
 

© Christian Gollmar

Eine Restaurierung wäre sicher wünschenswert und sinnvoll, ein paar Parkbänke auf der Grünfläche würden den Platz zum Naherholungsörtchen aufwerten, dem Spaziergänger ein Festungsbauwerk näher bringen, einen Zugang in die Vergangenheit, in die Geschichte öffnen!
Die Armierungsbauwerke wurden nach militärischer Notwendigkeit grösstenteils auf Privatgrundstücken erbaut, die Grundstückseigentümer wurden bestenfalls finanziell entschädigt, gefragt wurde nicht. Schon vor dem Ende des 1. Weltkriegs wurden viele dieser Armierungsbauwerke wieder aufgegeben und gingen in das Eigentum der Grundstücksbesitzer, meist Landwirte, über. Diese nutzten die Bauwerke soweit möglich oder überbauten sie mit Schuppen, ein stabiles Fundament gaben sie ja zweifelsohne ab, auch als Lagerkeller waren die Räume sinnvoll und nützlich.
CG
 
 

© Christian Gollmar & Julian Aicher 2008